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“Rezensionen” von meiner “Bibliothek”

Walls, Jeannette: “Schloss aus Glas”

Geschrieben von dieckhoff am Dezember 13, 2011

Amerika zur Zeit der Präsidentschaft von Lyndon B.Johnson: Jeanette und ihre Geschwister haben eine äusserst unkonventionelle Kindheit. Alle naselang ziehen sie um – angeblich auf der Flucht vor irgendwelchen bösen Menschen – in Wahrheit aber, weil sie die Miete für ihre derzeitige Wohnung nicht mehr zahlen können und gesetzliche Konsequenzen vermeiden wollen. Regeln kennen Jeannette und ihre Geschwister nicht, Hygiene ist ein Fremdwort für ihre Eltern genauso wie reguläre Arbeitsstellen. Der Vater hält sich für einen Freigeist, verspricht seinen Kindern ihnen eines Tages ein Schloss aus Glas zu bauen, aber in Wahrheit ist er ein pathologischer Säufer, der noch das letzte Haushaltsgeld auf den Kopf haut und sich – wenn nichts mehr da ist – auch nicht zu schade ist zu stehlen, bzw. sich an dem ersparten Geld seiner Kinder zu vergreifen. Wenn er getrunken hat, kann er gewalttätig und unberechenbar werden. Die Mutter hat den Lehrerberuf erlernt, aber glaubt eine verkannte Künstlerin zu sein. Sie arbeitet nur, wenn es gar nicht anders geht, bzw. wenn die Kinder ihr unmissverständlich an den Kopf werfen, dass sie HUNGER HABEN! Trotzdem  schaffen es die Kinder beruflich erfolgreich zu sein. Die Eltern können und wollen sich nicht ändern, selbst als sie auf der Strasse landen und obdachlos sind, halten sie an ihren Illusionen fest, dass sie glücklich sind, dass böse Menschen ihnen Knüppel zwischen die Beine werfen und ihnen böses wollen…

Also ich bewundere Ms.Walls, dass sie so objektiv und völlig realistisch von ihrer Kindheit berichten kann. Auf Rosen war sie wahrhaftig nicht gebettet. Also ich kann nachempfinden, dass Eltern ihre Kinder unkonventionell erziehen, aber bei gewissen Szenen im Buch musste ich schon stark schlucken und schüttelte nur fassungslos den Kopf. Meine Eltern haben mir nur WENIGE Regeln auferlegt und auch ich wurde in Freiheit erzogen, aber in Grenzen. Mit Laissez-Faire tut man imho den Kindern keinen Gefallen. Wie sollen sie sich denn später in der Gesellschaft zurecht finden?

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